„Die Wahrheit der Fotografie ist die Lüge“, sagt einer, der es wissen sollte. In dem kleinen Örtchen Seifen am Rand des Westerwaldes hinter den Sieben Bergen bin ich ihm zum ersten Mal begegnet, dem Klaus Honnef.
Da ist wieder mal einer, den man mögen muß oder nicht, war mir schnell klar geworden. Der Klaus Honnef ist einer, den ich mag. Bei dem geht zwischen Sympathie und Antipathie gar nichts. Diese Sorte Mensch ist rar.
O.N. ¦magazin der bundeshauptstadt, Heft 4, August/September 1986
Er gehört zu den multiplen Kunstbewegern, die in heutigen Zeiten Seltenheit geworden sind… Honnef…hat sich als Schreibender und Ausstellungskurator große Meriten für die Verbreitung von Pop-Art, Op-Art, Hard-Edge und Minimal sowie Conceptual-Art in Deutschland erworben. Besonders aber setzt sich der Professor an der Universität Kassel für die Fotografie des 20. Jahrhunderts ein.
t.k. ¦General-Anzeiger, 14.10.1999
Der Bonner Museumsmann Klaus Honnef prägte Ende der 70er Jahre den Begriff ‚Autorenphotographie’. Während in Amerika zunächst niemand zwischen angewandte und freier Photographie unterschied, verglichen sich die Photographen in Europa mit den Autorenfilmern und grenzten sich von der kommerziellen Photographie ab.
Alexandra Lautenbacher ¦Die Welt, 24.12.1998
„Deutsche Fotografie – Macht eines Mediums 1870-1970“. Mit einer fulminanten Fotoschau löst die Ausstellungshalle Bonn beide im Titel erhobenen Ansprüche ein: sowohl 100 Jahre deutsche Fotogeschichte repräsentativ zu spiegeln als auch die Macht des Mediums zu verdeutlichen… Eine Aufzählung der Namen liest sich wie das ‚Who’s who’ der deutschen Fotografen. Erst durch die Zusammenstellung der Aufnahmen von berühmten Fotografen werden neue Aspekte ihrer Arbeiten sichtbar. Auffällig viele Fotografennamen finden sich in der Künstlerliste der zweiten, ebenfalls von Klaus Honnef kuratierten Ausstellung im Rheinischen Landesmuseum wieder: ‚Und sie haben Deutschland verlassen … müssen – Fotografen und ihre Bilder: 1928-1997’. In optisch weit bescheidenerem Rahmen wird hier der Versuch unternommen, die Spuren der von den Nationalsozialisten verfolgten Fotografen aufzunehmen und ihnen ihren Platz in der Fotografiegeschichte zu sichern.
O.N., Kölner Stadt-Anzeiger, 13.06.1997
„Deutsche Fotografie“ – warum wirkt dieser Ausstellungstitel wie eine Provokation, auch wenn er gar nicht als solche gemeint ist? Warum stellt sich sofort dieses Unbehagen ein, das – wie die Kuratoren Klaus Honnef und Rolf Sachsse richtig bemerken – in anderen Bereichen des Kunstschaffens längst vergessen ist… ‚Macht eines Mediums’ lautet ihr Untertitel – und diese stellt die Schau wahrhaftig unter Beweis: Sie erschlägt den Besucher geradezu mit Fotografie.“
Susanne Boecker ¦Kölner Stadt-Anzeiger, 13.05.1997
„Nichts als Kunst“ – mit dieser globalisierenden Geste laden zwei Frauen, Gabriele Honnef-Harling und Karin Thomas, zur Lektüre ausgewählter Schriften des Medienkritikers, Autors, Museums- und Ausstellungsleiters Klaus Honnef ein. Der Titel lockt mit einer Selbstverständlichkeit, die wie ein freches Echo auf den Slogan vom ‚Ende der Kunst’ klingt – im Grunde aber ist er Ausruf und Seufzer ungetrübter Leidenschaft des Autors fürs Bildersehen, für Wahrnehmungsabenteuer und das intellektuelle Vergnügen am künstlerischen Experiment.
Ulrike Zellmann ¦Süddeutsche Zeitung, 17/18.01.1989
Ein in jeder Beziehung gewichtiges Werk krönt die vielbeachtete Ausstellungstrilogie ‚Lichtbildnisse’ des Rheinischen Landesmuseums: Vor kurzem legte der Kölner Rheinland-Verlag das mit Spannung erwartete gleichnamige Handbuch vor, das nicht nur durch sein imponierendes Volumen die herkömmlichen Ausstellungspublikationen weit in den Schatten stellt. Zweifellos hat Herausgeber Klaus Honnef mit diesem ebenso fachlich fundierten wie attraktiv gestalteten Buch ein Standardwerk der Foto-Literatur geschaffen und damit zugleich einen wesentlichen Meilenstein innerhalb der nach wie vor äußerst lückenhaften Erforschung dieses jungen Kapitels der Kunstgeschichte gesetzt.
Monika Jühlen ¦General-Anzeiger, 19.08.1982
Honnef ist im Rheinischen Landesmuseum unter anderem für Ausstellungen zuständig. In dieser Funktion hat er Bonn einige sehens- und diskussionswürdige Erlebnisse beschert. Er gilt als unruhiger Geist, der mit Engagement, zuweilen auch mit einem Eifer, der schon an genialen Starrsinn grenzt, seine Ansichten über Kunst und Künstler vertritt.
A.F.W ¦Bonner Anzeigenblatt, Nr. 43, 24./25.10.1979
Als Klaus Honnef 1974 nach Bonn kam, erwartet man von ihm, getreu seinem Wirken in Münster, Aachen und bei der ‚documenta’ eigentlich die besondere Betonung der ‚Avantgarde’, speziell der Konkreten Kunst. Aber Klaus Honnef sah in kluger Einschätzung der Möglichkeiten, daß hier der Rückstand nicht mehr einzuholen war und die finanziellen Mittel auch nicht ausreichten. Im Bereich der Fotografie aber, die sich damals international auch in den Museen durchgesetzt hatte, waren die meisten anderen deutschen Kunststätten Schlafwagen gefahren.
So setzte Honnef beim Landschaftsverband durch, daß eine Sammlung (eine der ersten deutschen Museums-Fotosammlungen überdies) eingerichtet wurde. Wesentlicher aber wurde es, daß er eine systematisch ordnende Ausstellungsreihe schuf.
Lothar Schmidt-Mühlisch ¦Welt, 29.03.1979
Auf nach Kassel… Die Aufforderung, die in der Überschrift liegt, sei hier mit Nachdruck wiederholt. Denn bis zum 2. Oktober d. J. [documenta 6, 1977, Abteilung Fotografie: Klaus Honnef/Evelyn Weiß] …ist in Kassel Gelegenheit, eine ungewöhnlich umfangreiche, eine wahrhaft einmalige Schau lichtbildnerischer Leistungen zu betrachten. Besser gesagt: zu studieren… Wie nimmt sich das nun in Kassel aus? Überwältigend im Umfang, das sei gleich vorausgesagt…
Es wurde schon angedeutet, daß die Vorgeschichte der diesjährigen documenta mit allerlei Getöse verbunden war…Ausgangspunkt für die Kritik war die sehr starke Betonung der historischen Seite. Schließlich ist die documenta ja dazu da, die jüngste Gegenwart der Kunst zu dokumentieren – und zukunftsweisende Tendenzen aufzuspüren.
Diesem Vorwurf ist dreierlei entgegenzuhalten. Erstens: Bei einem so epochalen Ereignis, wie es die urplötzliche, massive Einbeziehung der Fotografie bedeutet, ist eine umfassende Bestandsaufnahme, die ja zugleich die Begründung für die Neuerung darstellt, nicht nur möglich, sonder sogar geboten – als ‚Einstieg’, wie man wohl sagt. Weiterhin: Die Beispiele aus der Fotohistorie (überraschend viele Originale darunter) werden in Kassel nicht als Belege für eine technische oder stilistische Chronologie gegeben (wie sonst vielfach), sondern sie stehen jeweils stellvertretend für die verschiedenartigen, dem Medium Fotografie eigenen Inhalte und Methoden. Und schließlich: Das Zukunftweisende, jener der documenta angemessen Avantgardismus – sie sind ja ebenfalls charakteristisch präsentiert!
B.L. ¦Leica-Fotografie, 01.09.1977
Wenn die ‚anspruchsvollste und berühmteste moderne Kunstausstellung [documenta 6] in der Welt’ (so frohgemut der ‚Spiegel’ in der Ausgabe Nr. 10/77) den Erwartungen auch nur halbwegs entsprechen und ihren Ruf wahren soll, dann gilt es zu verhindern, …daß die Verantwortung für die Abteilung Photographie, der zweifellos großes Interesses zukommt, daß diese große Verantwortung, der nur mit ebenso großer Kenntnis gerecht zu werden ist, in den Händen eines Teams (Klaus Honnef/Evelyn Weiß) bleibt, das offenkundig unfähig ist, auch nur die elementarsten Kriterien für Qualität zu entwickeln…
Dr. W. Bongard ¦art aktuell. Vertrauliche Informationen über die Internationale Kunstszene, Mitte März 1977
Hier und in einer weiteren Halle im dritten Stock [des Rheinischen Landesmuseums Bonn] hat ein wichtiger Mann der deutschen Kunst-Szene sein Revier, seine ‚Spielwiese’: Klaus Honnef. Es ist für die Offenheit, den weiten Horizont dieses zunächst doch auf Region und Provinz bezogenen Museums bezeichnend, daß es diesen ebenso agilen wie sensiblen Scout beschäftigt, das heißt einen Kenner und Interpreten, dessen Beziehungen zum internationalen Kunstgeschehen die Bonner Szene nur lebendig machen können.
Jürgen Becker ¦Die Zeit, Nr. 51, 10.12.1976
Die gegenwärtige Kunstszene ist, einem oft mißbrauchten Schlagwort zufolge pluralistisch gelagert, also schwer überschaubar. …Den bei weitem besten Über- und Einblick ermöglicht jetzt Klaus Honnef. Sein Concept-Art-Buch beschreibt nicht nur knapp und klar, woher dieses alles kommt (von Duchamp, Moholy, den Konstruktivisten und Minimalisten), es belegt den Stand der Dinge nicht nur durch gut gewählte Bildbeispiele, es wird auch gleich, im Sinne der Concept Art, selbst zu Kunst, da vierzehn prominente Vertreter dieser Richtung eigene Ideen beigesteuert haben – das erste Standardwerk, das Concept Art im übrigen abgrenzt gegen Action Art oder Land Art.
Heinz Ohff ¦Der Tagesspiegel, 28.05.1972
Eine unbekannte Kunstbewegung zu entdecken scheint in unserer Zeit, da Information großgeschrieben wird, ein Ding der Unmöglichkeit. Trotzdem ist dies Klaus Honnef mit seiner ersten Ausstellung im Kunstverein Münster gelungen. Er präsentiert den Italienischen Konstruktivismus der dreißiger und der sechziger Jahre. Man findet diese regional bestimmte Stilrichtung in keinem der Geschichtsbücher und bis jetzt auch in keiner Kollektivausstellung außerhalb Italien.
John Anthony Thwaites, Saarbrücker Zeitung/Kunstjahrbuch 2 - Ausstellungen des Jahres 1970/71
Karin Thomas: Nachwort ¦ Klaus Honnef. „Nichts als Kunst…“
Als Gerhard Richter 1972 die bundesrepublikanische Kunstszene auf der 36. Biennale von Venedig mit seinen Gemälden repräsentierte, druckte Dieter Honisch, seinerzeit verantwortlicher Kommissar für den deutschen Pavillon, im Katalog einen Essay von Klaus Honnef nach, den dieser 1969 für die von ihm selbst ausgerichtete Ausstellung zu Gerhard Richter im Aachener „Gegenverkehr“ geschrieben hatte. Beachtlich ist hier nicht nur die Tatsache, daß die von Honnef verantwortete erste museale Werkpräsentation mit Katalog in Aachen die kurz danach einsetzende internationale Reputation Gerhard Richters bis hin zur Biennale-Nominierung und „documenta 5“-Teilnahme in Gang gesetzt hatte – ebenso sehr, wenn nicht gar noch bemerkenswerter ist in diesem Kontext der vom Künstler selbst befürwortete Nachdruck des bereits einige Jahre früher geschriebenen Textes von Klaus Honnef aus dem Katalog der „Gegenverkehr“-Ausstellung.
Liest man den Aufsatz heute vor dem Hintergrund einer 25 weitere Jahre umfassenden Werkentwicklung, so werden die Gründe für Richters Hochschätzung dieser ersten eingehenden Analyse seines malerischen Frühwerkes offenkundig. Denn anders als seinerzeit üblich hatte Honnef sein Augenmerk nicht auf die Pop Art-verwandte Banalität der Richterschen Bildmotive konzentriert, sondern das Wie des Malens, die Bildsprache selbst, in präzisen Werkbeobachtungen untersucht. Die Schlußfolgerungen, die der Autor damals zog, haben erstaunlicherweise bis heute nicht von ihrer pointierten Genauigkeit verloren.
Honnef sah als erster Richters „Malen in der Unsicherheit gegenüber der Wirklichkeit und Kunst angesiedelt“ und diagnostizierte in dieser Unsicherheit die eigentliche Thematik bei Richter; eine Erkenntnis, die ihre Bestätigung malerisch im fortgesetzten Prinzip der Stilbrüche sowie intellektuell in der permanenten Skepsis des Künstlers gegenüber der Wirklichkeit und ihren Abbildern gefunden hat.
Weil Klaus Honnef als Ausstellungsleiter des Westfälischen Kunstvereins Münster und später im Rheinischen Landesmuseum Bonn die avancierte Kunst der siebziger Jahre mit engagierter Leidenschaft und professioneller Neugier begleitete und kommentierte, steht sein Autorenname häufig ganz am Anfang jener bibliographischen Daten, die Künstler vom Rang Sigmar Polkes, Reiner Ruthenbecks oder Hanne Darbovens bis heute als besonders wichtige Marksteine in der Rezeptionsgeschichte ihres Schaffens verzeichnen. Einige der Texte, die seinerzeit in nur geringer Katalogauflage erschienen, Vorträge, die nicht gedruckt werden konnten, sind durch die Aufnahme in diese Schriftensammlung wieder oder erstmals zugänglich und bekunden eine weitsichtige Urteilsfähigkeit und eingehende Werkuntersuchung ihres Autors, die dem Zeitgeist häufig um einiges vorauseilte, aber auch den Mut zur selbstkritischen Urteilskorrektur nicht ausschloß.
Umfassende publizistische Pionierarbeit hat Klaus Honnef – das bringt die Mehrzahl der hier versammelten Essays in Erinnerung – im Bereich der Fotografie aufzuweisen. Ihm, der 1977 – damals noch heftig umstritten – der Fotografie als künstlerische Ausdrucksform eine gleichwertige Stellung neben den etablierten Gattungen der bildenden Kunst auf der „documenta 6“ einräumte, kommt im Rückblick das Verdienst zu, die Fotografie aus den Niederungen kommerzieller Gebrauchskunst herausgeholt und sie in das Territorium der hohen Kunst eingegliedert zu haben. Als erster beschäftigte er sich an konkreten Beispielen konzeptueller und aktionistischer Kunst mit den neuen, jenseits des Dokumentarischen angesiedelten Funktionen, die das fotografische Bild als mediales Instrument bei Künstlern wie Jürgen Klauke, Christian Boltanski oder Jochen Gerz erhielt.
Aber nicht nur derartige Positionen künstlerischer Nutzungen, die dem Medium Fotografie in den siebziger Jahren einen innovativen Stellenwert im Kunstkontext eroberten, interessierten Klaus Honnef. Da sich sein Faible für die Lichtbildkunst aus seiner „Liebe zum Kino“, wie er selbst gern betont, und keineswegs aus kunsttheoretischer Motivation heraus entwickelte, nahm er jede sich bietende Gelegenheit wahr, um über alle Bereiche der Fotografie schreibend zu reflektieren. So gab ihm das journalistische Engagement der großen Fotografin Gisèle Freund, deren Bedeutung Honnef im übrigen als erster in Deutschland wahrnahm, den Anlaß, die Fotoreportage als historisches Dokument zu analysieren, während der Blick auf Foto-Installationen von Christian Boltanski dazu motivierte, den Unterschied zwischen professioneller und Amateurfotografie herauszufinden und eben die Kriterien der Amateurfotografie als die von Boltanski genutzten künstlerischen Ausdrucksmittel zu entdecken. Seiner Aufmerksamkeit entgingen auch keineswegs die ersten künstlerischen Experimente mit der Sofortbildkamera, und wie er die Modefotografie einer oberflächlichen Klischeebewertung entreißen konnte, so enthüllte er gleichwohl die Wandlungen der Bildnisfotografie als Spiegelungen einer Selbstentfremdung des Menschen im Verlauf unseres Jahrhunderts.
Aus der intensiven Beschäftigung mit den großen Repräsentanten des deutschen und internationalen Fotojournalismus und der künstlerischen Fotografie, aber auch aus dem interpretatorischen Nachzeichnen spezifischer Entwicklungslinien der Fotografiegeschichte, wobei die Werke selbst stets hautnah den Ariadnefaden stellen, vervollständigt sich das im Verlauf der Jahre mosaikhaft zusammengelegte Gerüst einer kritischen Geschichte der Fotografie mitsamt dem ersten Versuch ihrer theoretischen Fundamentierung, die nicht von ungefähr auf Walter Benjamin und Siegfried Kracauer rekurriert. Dabei vernachlässigt Klaus Honnef nie den sinnlichen Bezug seiner Reflexionen zu den Kunstwerken selbst. Unumwunden bekundet er seine ausgesprochene Vorliebe für bestimmte Fotografenpersönlichkeiten und scheut sich nicht, etwa den Voyeurismus der Modefotografie bis in die Wahl seiner Worte hinein auszukosten. Mit seiner exzellenten Begabung, gesehene Bilder in Sprache verwandeln zu können, versteht es Klaus Honnef, seine eigene direkte Augennähe zu Werken der Kunst schreibend beschreibend auf den Leser zu übertragen. Nicht zuletzt deshalb war und ist er ein begabter Autor.
© Karin Thomas: Nachwort, in: Klaus Honnef. „Nichts als Kunst…“ Herausgegeben von Gabriele Honnef-Harling und Karin Thomas, DuMont, Köln 1997
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